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Angst? - Ich paß schon auf Sie auf!
Um das subjektive Sicherheitsgefühl der Fahrgäste zu steigern, muß man oft gar nicht viel tun: Wie wohltuend kann beispielsweise ein Lächeln empfunden werden. Eine beruhigende Geste der Fahrerin oder des Fahrers kann Wunder tun. Und wie sehr ein ruhiger Blick ausdrücken kann, „ich hab das schon im Griff“, weiß jeder, der es selbst erlebt hat. In unserem Modul (6) „Ich paß’ schon auf Sie auf! – Fahrgästen die Angst nehmen“, das in Zusammenarbeit mit der Verkehrsaktiengesellschaft Nürnberg (VAG) entwickelt wurde, geht es um das Kennenlernen und Ausprobieren von sprachlichen und nichtsprachlichen Signalen zur Steigerung des subjektiven Sicherheitsgefühls beim Fahrgast.Ein Wort oder eine Geste können gewaltbereite Menschen abschrecken
Man weiß, wie wichtig für den potentiellen Vandalen oder auch für einen betrunkenen Fahrgast allein die Präsenz des Fahrers ist, der aufsteht und sich in eine Gruppe stellt, schweigt, aber suggeriert, alles unter Kontrolle zu haben. Ein solches Verhalten wird von anderen Fahrgästen als sicherheitsfördernd empfunden und gibt das Gefühl: Ich bin hier gut aufgehoben. Wer es beobachtet hat, wird es bestätigen: Nur ein Wort oder ein Satz des Fahrers können gewaltbereite Menschen abschrecken, indirekte Botschaften über das Mikrofon können irritieren, Randalierer werden abgeblockt, wenn der Fahrer außerhalb der Haltestelle kurz anhält und dann weiterfährt.
Durch das Modul erfahren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, daß es viele Fahrgäste gibt, für die das Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel mit sehr unterschiedlichen Formen von Angst verbunden ist. Ihnen wird klar, daß es sich dabei zum einen um sehr konkrete Ängste vor Diebstahl und körperlicher Gewalt oder ganz einfach nur um die Angst handelt, die Haltestelle zu verpassen oder keinen Sitzplatz zu bekommen. Andererseits gibt es Ängste bei Fahrgästen, die schwerer zu fassen sind: Angst, keine Luft zu bekommen, Angst, in geschlossenen Räumen zu sein, Angst vor Schwindel, Angst, nicht wahrgenommen und übersehen zu werden.
Objektive Angst oder subjektives Angstempfinden?
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen, daß es dabei häufig nicht um objektive Ängste geht, sondern um ein subjektives Angstempfinden der Fahrgäste und daß dieses Empfinden ernst genommen werden muß. Sie machen sich (noch einmal) klar, daß die Fahrgäste – was die Sicherheit betrifft – eine hohe Erwartung in die Fahrerin und den Fahrer setzten.
Im Mittelpunkt des Moduls steht der Videofilm, der nicht nur als Einsteig ins Thema dient, sondern der auch in der Erarbeitungsphase eine wichtige Funktion erfüllt. Jede Szene beginnt mit einem Interview der Moderatorin mit einem Fahrgast, der in einer bestimmten Situation im Bus oder in der Bahn Angst hatte und nun darüber redet. Während des Interviews wird das, was der Interviewte berichtet, in einer Spielszene sichtbar. An einer bestimmten Stelle, immer dann, wenn der Fahrer handeln sollte, bricht der Film ab.
Video zum Einstieg und zur konkreten szenischen Erarbeitung
Szene 1: „Einige wollen beschützt werden“ - In einer U-Bahn-Haltestelle üben zwei unangenehme Männer, Lewan und Rolfo, psychischen Druck auf eine junge Frau aus. Die Frau sucht Hilfe bei einem Mitarbeiter des Verkehrsunternehmens, der an seiner Uniform zu erkennen ist, doch dieser bietet keine Hilfe an, fährt mit der nächsten Bahn weg und läßt die Frau alleine auf dem Bahnsteig zurück.
Szene 2: „Ich pass´ schon auf Sie auf“ - Eine Frau (um die 50) betritt etwas irritiert den Bus, macht deutlich, daß sie sich nicht auskennt, und wirkt hilflos. Der Fahrer kümmert sich fürsorglich um die Frau, beruhigt sie, baut Vertrauen auf und läßt sie vorne bei sich Platz nehmen, damit er sie gut im Blick hat.
Szene 3: „Halb so schlimm?“ - Ein betrunkener Fahrgast wird auf unangenehme Weise aufdringlich und ängstigt dadurch das Ehepaar Lersch. Ein Fahrgast informiert den Fahrer, der verbal und nonverbal sehr geschickt reagiert.
Szene 4: „Eine Frage der Kinderstube“ - Der Fahrgast Pausen stellt seine Füße auf die Sitzbank und wird von dem Fahrgast Müller zuerst provokativ und dann freundlich gebeten, die Füße herunterzunehmen. Pausen lehnt ab. Müller beleidigt ihn. Pausen wird gewalttätig und verlangt vergeblich, daß sich Müller entschuldigt. Müller beschwert sich beim Fahrer. Der Fahrer reagiert lapidar über das Mikrofon und fordert die Fahrgäste auf, sich im Bus ordentlich zu verhalten und die Füße nicht auf die Bänke zu legen.
Um Fahrgästen in konkreten Situationen Ängste zu nehmen, muß man sprachliche und nichtsprachliche Signale einüben. Unterschätzen Sie nicht die Bedeutung der kleinen Angstnehmer mit enormer Wirkung.
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